TexDepot

Die Freisetzung von Wirkstoffen aus Textilien wird für eine Reihe von Anwendungen genutzt. Im Bereich der Medizinprodukte sind vor allem sogenannte aktive Wundauflagen von Bedeutung, die durch die Abgabe von Bioziden und anderen Wirkstoffen die Wundheilung beschleunigen. Darüber hinaus steht die Entwicklung von Kleidungsstücken für Menschen mit Allergien und Hautkrankheiten im Fokus der Forschung. Schließlich wurde in den letzten Jahren ganz allgemein versucht, durch eine Ausrüstung mit kosmetischen Wirkstoffen den Tragekomfort von Bekleidungstextilien zu verbessern bzw. hautpflegende Eigenschaften zu erreichen. Für derartig ausgerüstete Textilien wurden die Begriffe „Kosmetotextilien“ oder „Wellnesstextilien“ geprägt.

Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsvorhabens mit dem Wissenschaftlichen Institut der Forschungsvereinigung für die Kosmetische Industrie e.V. in Holzminden und der Hautklinik des Universitätsklinikums Jena wurde am DTNW die Freisetzung von Wirkstoffen aus Textilien mit Polyelektrolytbeschichtungen untersucht, um so die Grundlage für die Anwendung solcher Systeme im Bereich der Medizinischen und Kosmetischen Textilien zu legen. Die Polyelektrolytschichten wurden nach dem Layer-by-Layer-Prinzip durch Tauch- oder Sprühprozesse aufgebaut. Für verschiedene textile Träger (Baumwolle, Polyester, Polyamid/Elastan, Polyurethanschaum) konnte die Stabilität von Beschichtungen gegenüber Waschen und Dehnung nachgewiesen werden. Als Polyelektrolyte kamen sowohl preisgünstige synthetische Polymere (Polyacrylsäure, Polyvinylamin) sowie natürliche Varianten (Carrageen, Chitosan, Hyaluronsäure, Alginate) zum Einsatz. Die Beschichtungen sind nicht zytotoxisch und lassen sich auch in Form von Mustern, d.h. ortsabhängig aufbringen, sodass sich hier eine Reihe interessanter neuer Anwendungen eröffnen.

 

Unsere Studien konnten eindeutig zeigen, dass sich Polyelektrolytschichten auf textilen Trägern als Depot für eine Freisetzung von Wirkstoffen nutzen lassen, wobei die spezifischen Aufnahme- und Freisetzungsparameter von den Eigenschaften der textilen Träger und der Wirkstoffe sowie der Art der Beladung abhängen. Die Polyelektrolytschichten können hierbei verschiedene Wirkungen ausüben. Stark hydrophile Wirkstoffe wie Dihydroxyaceton (Hautbräuner) lassen sich beispielsweise schon durch wenige Doppelschichten effizient auf Gewebe aus Polyester zeitversetzt freisetzen, während sich für hydrophobe Wirkstoffe (Vitamin E-Acetat) der Einbau von Cyclodextrinen in die Polyelektrolytschichten als vorteilhaft erwies. Versuche an Probanden mit Textilien, die mit dem Hautbräuner beladen waren, lieferten schließlich vielversprechende Bräunungsergebnisse. Da die Verwendung von der wirkstoffbeladenen Textilien (Kniestrümpfe) zudem von den Probanden im Vergleich zum Einsatz von Cremes als äußerst angenehm empfunden wurde, sind gerade im kosmetischen Bereich verschiedene Anwendungen denkbar, die sich auch zeitnah umsetzen lassen können. Bei Interesse an weiteren Anwendungsstudien stehen die Forschungspartner gerne zur Verfügung.

Angaben zum Forschungsvorhaben:

Projekt in Kooperation mit dem Wissenschaftlichen Institut der Forschungsgemeinschaft für die Kosmetische Industrie, Holzminden, und der Klinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Jena.

Forschungsthema:
TexDepot:
Polyelektrolytschichten auf textilen Materialien als wiederbeladbare Speicher für kosmetische und pharmazeutische Wirkstoffe
IGF-Projekt-Nr. 18532 BG
Laufzeit: Januar  2015 – März 2017

Ansprechpartner: Dr. Markus Oberthür, Tel.: +49 2151-843-2017, Email: oberthuer@dtnw.de